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Mittwoch, 14. April 2021

Bildungsleiter Adriano Cotti im Kurzinterview

«Langfristig ergeben sich Vorteile»

Seit über einem Jahr gilt die neue Verordnung, für die verlängerte Ausbildungszeit der Gebäudetechnikberufe. Adriano Cotti zieht als Bildungsleiter der suissetec nordwestschweiz Bilanz und gibt zu, anfangs der Entwicklung skeptisch gegenüber gestanden zu sein.

Adriano Cotti, wie kommt es zur Ausbildungsreform? Der Bund schreibt den Berufsverbänden vor, alle fünf Jahre die Inhalte der Ausbildung zu evaluieren. Das macht Sinn, denn diese verändern sich stetig. Vor allem bei uns in der Gebäudetechnikbranche haben sich in den letzten Jahren die Technologien stark weiterentwickelt.

Wer entscheidet, ob es zu Umstellungen kommt? Es ist ein Gremium bestehend aus Lehrbetrieben (Berufsbildner), Fachlehrer aus der Schule und Vertreter der ÜK (Überbetrieblichen Kursen). Ich habe schon mehrere solcher Evaluationen mitgemacht. Aber dies war die bisher grösste.

Inwiefern? Die Verlängerung der Ausbildungszeit ist einschneidend. Ich habe mir anfangs Sorgen gemacht, dass dies die Ausbildungsqualität beeinflusst. Dem ist aber nicht so. Die Themen sind vielseitiger und der Schulstoff komplexer.

Dann bist du ein Befürwortet der 4-jährigen Ausbildung? Ja, langfristig ergeben sich Vorteile. Wir sind zurzeit mitten in den Standortbestimmungen und merken, dass es in einigen Berufen Lernende dabeihat, die schulisch überfordert sind. Hier gilt es, Lehrbetriebe für die Selektion zu sensibilisieren. Die Ausbildungstätigkeit muss im Lehrbetrieb eine hohe Akzeptanz finden. Im besten Fall ist sie im Leitbild einer Firma verankert.

Vielleicht stossen die Berufe bei Jugendlichen einfach auf zu wenig Interesse. Der Dachverband «suissetec» ist stark engagiert. Aber es braucht Zeit, bis sich ein Image verändert. Die Digitalisierung schreitet auch in der Gebäudetechnikbranche rasant voran. Das Berufsbild verändert sich. Aber in den Köpfen sind es noch immer minderwertige Berufe. Meiner Meinung nach sollten wir auch das Thema Berufsmaturität fördern. So öffnen wir die Kaderpforte und eröffnen für die Jugendlichen weitere Perspektiven. Wir setzen alles daran, die Lehrbetriebe hier zu unterstützen. Die Zeiten der alten, starren Strukturen sind vorbei.

Das klingt künftig nach mehr Kopf- und weniger Handarbeit. Nein, darauf will ich nicht hinaus. Ich will nur sagen, dass die Inhalte komplexer geworden sind und sich qualifiziertere Jugendliche angesprochen fühlen sollten. Schulisch schwächere Bewerber haben die Möglichkeit, die 2-jährige Praktiker-Lehre mit Fokus auf das Handwerk zu wählen und sich dann weiterzuentwickeln.

Alles in allem ist es aber ein gelungener Start? Veränderungen sind immer schwierig. Eine Mehrheit hat die Ausbildungsreform gutgeheissen und jetzt liegt es an uns, die Entscheidung demokratisch mitzutragen. Ich will gegenüber Veränderungen keine Mauer aufbauen. Ich will zum guten Gelingen mittragen. Wir möchten den Jugendlichen den bestmöglichen Start ins Berufsleben ermöglichen. Das steht für mich immer im Vordergrund.